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Thema des Monats

Feldberegnung

Trotz des nassen Winterhalbjahres hat man sie seit Mitte Mai hier und da gesehen: Große Schlauchtrommeln an den Feldrändern und überdimensionale Rasensprenger am anderen Ende des Schlauches. Es drängt sich die Frage auf, ob unsere Umwelt die großen entnommenen Wassermengen verträgt. Die angesprochenen vergangenen Monate haben mit ihren ergiebigen Regenfällen dafür gesorgt, dass die Grundwasserkörper wieder ein Stück weit aufgefüllt sind. 


Beregnung bedeutet folgende positive Veränderungen bei den verschiedenen Feldfrüchten:


Kartoffeln: mehr Ertrag, mehr Marktware, mehr Stärke, weniger Befall mit Schorf, geringere Eisenfleckigkeit


Getreide: mehr Ertrag, mehr ährentragende Halme pro m², mehr Körner pro Ähre, geringere Eiweißgehalte bei Braugerste


Zuckerrübe: mehr Ertrag, höherer Zuckerertrag, weniger Ausbeuteverluste


Mais: mehr Ertrag, bessere Kolbenentwicklung, höhere Kolbenmasse, mehr Kolben pro Pflanze, höhere Trockenmasse


Gemüse: mehr Ertrag, mehr Marktware, höhere Qualität, Sicherung geforderter Fruchtgrößen, höhere Anwachsrate


Wenn nur begrenzte Wassermengen oder technische Kapazitäten für die Bewässerung zur Verfügung stehen, muss sich die Reihenfolge der Kulturen nach ihrer Beregnungswürdigkeit richten:


Kartoffel >> Braugerste> Winterweizen> Wintergerste, Mais > Zuckerrübe > Roggen


Allgemein gilt, dass die Wasserversorgung besonders in den ertragssensiblen Entwicklungsphasen stimmen sollte. Diese Phasen sind daher gleichzusetzen mit den kulturspezifischen Hauptberegnungszeiträumen. Es ist meistens nicht anzuraten, mit der Beregnung zu früh zu beginnen, damit die Pflanzen nicht „verwöhnt“ werden, sondern von Anfang an ein kräftiges, tief reichendes Wurzelwerk ausbilden, den Blattapparat dagegen nicht zu üppig entwickeln. Zu dichte, blattreiche Bestände bilden nicht unbedingt einen höheren Ertrag, benötigen durch eine gesteigerte Verdunstung aber mehr Wasser. Bei der Beregnung sollte auch auf die Wetterbedingungen geachtet werden Bei länger anhaltenden heißem und sonnigem Wetter ist die Verdunstungsintensität sehr hoch.

Dadurch kommt es bei Wassermangel eher zu Schäden, weshalb dann frühzeitiger und häufiger beregnet werden sollte, jedoch möglichst nicht in der Mittagszeit. Anders verhält es sich in Zeiten mit mäßigen Temperaturen und Bewölkung. Hier kann die Beregnung verschoben bzw. reduziert werden.

Damit sichert der Landwirt sein Einkommen, die Frage nach der Umweltverträglichkeit ist allerdings noch nicht geklärt. Hier kommt der Landkreis als Genehmigungsbehörde ins Spiel: Ein Beregnungsbrunnen darf nur gebohrt werden, wenn der Landwirt vorher ein Genehmigungsverfahren durchlaufen hat. Darin wird über ein hydrogeologisches Gutachten geprüft, ob der jeweilige Grundwasserkörper nicht schon über die Maßen belastet ist. Falls die Genehmigung erteilt wird, darf der Landwirt nicht unbegrenzt Wasser entnehmen, sondern nur beispielsweise 80 mm Regen pro Hektar und Jahr. Die tatsächlich geförderte Menge wird einmal pro Jahr an den Landkreis gemeldet. Die Behörden schreiben auch vor, dass die gewaltigen Pumpen ab einer gewissen Temperatur oder Windgeschwindigkeit ausgeschaltet werden müssen. Davon abgesehen tut sich der Landwirt damit auch keinen Gefallen; schließlich wird bei Hitze und starkem Wind viel Energie für wenig an den Wurzeln ankommendes Wasser benötigt.

Ein positiver Effekt für die Umwelt ist die bessere Ausnutzung der Düngung. Landwirte können zum Zeitpunkt der Düngerausbringung oft nicht abschätzen, wie viel Regen im Anschluss fällt und wie viel in Wasser gelöste Nährstoffe die Pflanzen tatsächlich aufnehmen werden. Gerade in diesem Jahr sind auf unberegneten Feldern viele Nährstoffe ungenutzt liegen geblieben. Ein Teil davon kann zwar von der Folgefrucht genutzt werden; Verluste in die Luft oder in Richtung Grundwasser sind hier aber unvermeidbar.

Ein weiteres Problem trockener Sommer ist, dass viele Vögel außerhalb unserer Gärten keine Wasserstellen zum Trinken finden. Zahlreiche Landwirte beobachten einen großen Andrang von Vögeln an den Pfützen, die ihre Beregnungsmaßnahme hinterlässt. Solche Beispiele relativieren den hohen Energieeinsatz über Strom oder Diesel, welchen die Beregnungspumpen benötigen.

Außerhalb der Umweltaspekte ist Beregnung ein Instrument der Risikovorsorge im landwirtschaftlichen Betrieb. Wer in guten Jahren die Möglichkeit hat, Beregnung zu bauen und das mit entsprechendem Kapitaleinsatz auch umsetzt, ist in schlechten Jahren nicht auf Dürrehilfen der Allgemeinheit angewiesen.



Ausblick auf das nchste Thema des Monats

Wir werden spontan ein spannendes Thema finden!