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Thema des Monats

Nitrat im Grundwasser

Was unterscheidet Heidenau und Eyendorf von Elstorf und Undeloh? Die beiden letztgenannten liegen seit dem 10.09.2019 in einem sogenannten „Roten Gebiet“. Zu diesem Zeitpunkt wurde die entsprechende Gebietskulisse vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium veröffentlicht (http://sla.niedersachsen.de/landentwicklung/LEA/). Um die Qualität unseres Grundwassers zu verbessern, müssen sich Landwirte in diesen Gebieten künftig an deutlich strengere Düngeauflagen halten:


Der Nähstoffgehalt des Düngers muss vor dem Ausbringen auf den Feldern genau ermittelt werden. Das Einarbeiten der Gülle auf dem Acker muss innerhalb von einer Stunde erfolgen, bisher hatten die Landwirte dafür vier Stunden Zeit. Und die Gülle muss künftig bis zu sieben Monate gelagert werden können, bisher genügten sechs. Mit diesen drei Vorgaben des Landes Niedersachsen können unsere Landwirte noch ganz gut leben; viele halten sie bereits jetzt schon ein. 


Allerdings wird aktuell auf Bundesebene über eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung beraten. Hier werden unter anderem folgende Maßnahmen für die „Roten Gebiete“ diskutiert (Stand 01.09.2019):

Begrenzung der Stickstoff-Düngung auf 80 % des Pflanzenbedarfes

Keine Herbstdüngung mehr zu Zwischenfrüchten und Wintergerste; zu Winterraps soll es Ausnahmen geben

Verbindlicher Zwischenfruchtanbau vor einer Sommerung

Verlängerung der Dünge-Sperrfrist für Kompost und Festmist von Huf- und Klauentieren auf drei Monate

Diese bundesweiten Vorschriften würden die Harburger Landwirte in den betroffenen Gebieten sehr wohl deutlich einschränken. Bei dem „Pflanzenbedarf“ gemäß Punkt 1 ist der im Boden verfügbare Stickstoff bereits abgezogen. Eine Begrenzung auf 80% würde somit eine Unterernährung der Kulturpflanze bedeuten. Ob das in unserer klimatisch günstigen Anbauregion verantwortbar ist muss in Frage gestellt werden!

Bleibt noch die Frage, wie schlecht es um das Grundwasser in den Roten Gebieten überhaupt bestellt ist. In Niedersachsen wurden 51 von insgesamt 123 Grundwasserkörpern aufgrund der Nitratbelastung in einen schlechten chemischen Zustand eingestuft (Bewertung 2016). „Schlechter chemischer Zustand“ bedeutet in diesem Zusammenhang einen Nitratgehalt oberhalb von 50 Milligramm pro Liter oder einen signifikant steigenden Trend des Nitratgehaltes in der Messstelle. Unser Trinkwasser wird allerdings nicht aus den Messstellen sondern in der Regel aus tieferliegenden Schichten entnommen.

Wer in einem Roten Gebiet lebt hat also nicht automatisch mit Nitrat verseuchtes Trinkwasser. Unsere Landwirte sind aufgefordert, den steigenden Trends entgegen zu wirken. Dafür sorgen bereits die Nicht – Gebietsspezifischen Regelungen der Düngeverordnung. Eine Trendumkehr ist aufgrund der komplexen chemischen Vorgänge im Boden nicht innerhalb weniger Jahre zu erreichen. Zudem stammen die Stickstoffeinträge nicht nur aus der Landwirtschaft. Untersucht werden müssen z.B. die mitunter veralteten Abwasserkanalisationen unserer Menschensiedlungen.

Ausblick auf das nächste Thema des Monats

Wir werden spontan ein spannendes Thema finden!