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Thema des Monats

Welche Rolle spielt die Schweinehaltung noch bei uns?

In den Medienberichten der vergangenen Wochen hörte man viel über die Haltungsbedingungen von Schweinen und deren Weg in der Lebensmittelkette. Anlass genug, um auf die Situation im eigenen Landkreis zu blicken.  


Im Vergleich zu anderen Regionen Niedersachsens spielt die Schweinehaltung zahlenmäßig hier eine eher untergeordnete Rolle. Während sich die Anzahl der Mastschweine ist den vergangenen 50 Jahren relativ stabil gehalten hat fand man immer weniger Muttersauen in unseren Ställen.


Der Rückgang der Sauenhalter beruht auf zwei großen Trends der vergangenen Jahre. Zum einen haben sich die Betriebe häufig spezialisiert. Während früher die Ferkel der eigenen Sau großgezogen und geschlachtet worden sind gingen später viele Landwirte den Weg vom Generalisten zum Spezialisten. Die Produktionskosten mussten gesenkt werden und mehr erzeugte Ferkel pro Sau erforderten einen intensiveren Betreuungsaufwand. Zum anderen forderte der Markt große, einheitliche Ferkelpartien für die größer gewordenen Mastställe. Statt in größere Produktionseinheiten zu investieren haben sich viele Harburger Sauenhalter Beschäftigungsalternativen gesucht.


Etwas weniger Schweine – Spezialwissen erfordert das Mästen der Tiere. Außerdem ist dieser Betriebszweig in großen Teilen automatisiert und für den Landwirt bleibt noch Zeit, sich mit der Feldarbeit zu beschäftigen. Und schließlich liefern die Tiere wertvollen organischen Dünger, der alternativ in mineralischer Form zugekauft werden müsste.

Die rund 50.000 Schweinemastplätze werden pro Jahr 2-3-mal belegt und enden in etwa 12 Millionen Kilogramm Fleisch und Wurst. Das klingt im ersten Moment viel, wird jedoch von etwa 200.000 Menschen aufgegessen. Der Landkreis Harburg mit seinen gut 250.000 Einwohnern ist somit Importeur von Schweinefleisch.

Dass die Schweinehaltung in unserer Region nicht zugelegt hat liegt auch an der gesellschaftlichen Akzeptanz. Eine Reihe von Stallbauprojekten wurde nicht umgesetzt, weil es Bürgerproteste gab, die Bauernfamilie gemobbt wurde oder im Genehmigungsverfahren andere Steine im Weg lagen. Jahrzehnte lang war die Prämisse, das Fleisch unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften zu möglichst niedrigen Stückkosten zu produzieren. Heute stehen das Tierwohl und der Umweltschutz im Vordergrund. Unsere Landwirte können und wollen sich der gesellschaftlichen Entwicklung nicht verschließen. So gibt es vereinzelt Betriebe, die Schweine draußen halten und das Fleisch direkt vermarkten. Wohlgemerkt erreichen diese Unternehmer keine großen Stückzahlen; selbst, wenn die Harburger ihren Konsum halbieren benötigen wir noch knapp 80.000 gemästete Schweine pro Jahr. Dafür laufen an anderer Stelle im Kreis Planungen zum Neubau von Sauenställen unter neuesten Tierwohlstandards. Um die höheren Kosten zu decken stehen Förderprogramme bereit bzw. sollen noch ausgebaut werden. Die können jedoch nur eine Anschubfinanzierung für leidenschaftliche Schweinehalter sein. Mittelfristig muss ein Großteil der Verbraucher mehr Geld für Schweinefleisch ausgeben.

Ausblick auf das nächste Thema des Monats

Wir werden spontan ein spannendes Thema finden!